Ein neugeborenes Kind mit einer Spalt-Fehlbildung sollte, wenn keine allgemeinen Gründe dagegen sprechen, bereits in den ersten Lebenstagen dem Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen und dem Kieferorthopäden des Behandlungsteams vorgestellt werden, die es während seiner Entwicklung beobachten und medizinisch begleiten werden.

Bei einem Neugeborenen mit einer Gaumenspalte sind Mund- und Nasenraum mit ihren unterschiedlichen Aufgaben nicht getrennt; Atmen, Trinken, Schlucken, die frühe Lautbildung und die Mimik sind bei einem Kind mit einer Spaltfehlbildung beeinträchtigt.

Gaumenplatte auf Gipsmodell

Gaumenplatte auf Gipsmodell

Durch die Eingliederung einer Gaumenplatte (auch Mund-Nasen-Trennplatte oder fälschlicherweise Trinkplatte genannt) werden bereits in den ersten Lebenstagen separate Funktionsräume von Nase und Mund hergestellt, so dass sich die genannten Funktionen besser entwickeln können.
Eine solche Platte wird besonders in den ersten Lebenstagen vom Kind sofort akzeptiert. Die Gewöhnung ist dadurch mühelos.

Wie ein gesundes Neugeborenes an der Mutterbrust kann das Kind beim Trinken mit seiner Zunge an der Gaumenplatte “arbeiten”, wodurch die korrekte Lage der Zunge gefördert wird. Durch die Normalisierung der Zungenfunktion wird eine wichtige Hilfe für die Entwicklung im Kieferbereich gegeben. Auch ist die Voraussetzung für das Erlernen der regelrechten Lautbildung verbessert.

Die Gestaltung der Platte fördert die Ausformung und Entwicklung der Kiefer; dadurch können sich die Voraussetzungen für die ersten Spalt verschließenden Operationen verbessern. Selbstverständlich muss eine solche Gaumenplatte, entsprechend der raschen Wachstumsänderung des Säuglings in den ersten Lebensmonaten, laufend kontrolliert und angepasst werden.

Es bestehen jedoch auch Behandlungskonzepte, bei denen auf die Therapie mit einer solchen Gaumenplatte bewusst verzichtet wird, ohne dass hierdurch Nachteile für diese Patientengruppe belegt wurden. Bei Verlagerung der Kieferabschnitte werden alternativ auch andere kieferorthopädische Apparaturen angewandt.

Gewöhnlich kann dieser erste kieferorthopädische Behandlungsabschnitt mit dem Verschluss des harten Gaumens beendet werden. Die kieferorthopädische Betreuung darf jedoch nicht enden. Besonderheiten der Gebissentwicklung bei Ihrem Kind machen regelmäßige Kontrollen von Wachstum und Entwicklung der Zähne und der Kiefer notwendig, damit bei einer Abweichung rechtzeitig kieferorthopädisch behandelt werden kann.

Die kieferorthopädische Behandlung bzw. Überwachung erstreckt sich im Allgemeinen über den ganzen Zeitraum der Gebissentwicklung bis zum Wachstumsabschluss.

LKG