Allgemeine Informationen über Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten (LKG-Spalten)

Ursachen der Spaltbildungen

Eine wesentliche Frage aller Eltern betrifft die Ursachen dieser Fehlbildung und warum gerade ihr Kind betroffen ist. Die Antwort darauf ist nicht einfach und für das einzelne Kind meist nicht genau festzulegen. Nur aus zusammenstellenden Beobachtungen vieler Kinder kennt man eine Reihe von Ursachen, die im Zusammenwirken zur Entstehung von LKG -Spalten oder isolierten Gaumenspalten führen können.

Sicherlich spielt eine erbliche Bereitschaft eine gewisse Rolle, wenn Spalten in der weiteren Familie häufiger angetroffen werden. Wesentlicher sind individuelle Störungen in der Schwangerschaft, z.B. durch mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff, evtl. durch lokale Durchblutungsstörungen im Mutterleib, Erkrankungen der Mutter in der Phase der Gesichtsbildung Ihres Kindes, medikamentöse oder auch schädliche Substanzen (Alkohol, Nikotin, Drogen) und andere, bisher unbekannte Einwirkungen. Die Entstehungsursachen sind also in der Kombination einiger dieser Ursachen bei entsprechender erblicher Bereitschaft (multifaktorielle Entstehung) zu sehen.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Elterninformation (PDF, ca. 120 KB)

Unterschiedliche Formen der Spaltbildung

Beispielbild Lippenspalte

Beispielbild Lippenspalte

Von der Entwicklung des Gesichts bzw. den Ursachen der Spaltbildung und vom Erscheinungsbild her werden Lippen-Kiefer-Spalten (LK-Spalten) und/oder Gaumenspalten (G-Spalten) unterschieden. Unter dem Begriff der Gaumenspalte sind dabei die Spaltbildungen des harten Gaumens (Gaumendach mit Nasenboden) und des weichen Gaumens (Gaumensegel) zusammengefasst. Einerseits entstehen beide Spaltformen zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Schwangerschaft und andererseits unterscheiden sie sich auch bezüglich der Häufigkeit und Geschlechtsverteilung, so dass man von zwei zwar zusammengehörigen aber doch unterschiedlichen Fehlbildungen sprechen kann. Die gegen Ende des 2. Schwangerschaftsmonats entstehenden Lippenspalten, Lippen-Kiefer-Spalten, oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten sind relativ häufiger und betreffen überwiegend Jungen. Die zu Beginn des 3. Schwangerschaftsmonats entstehenden Spalten im harten und weichen Gaumen (auch mediane Gaumenspalten, Velumspalten oder Segelspalten genannt) sind seltener und betreffen etwas häufiger Mädchen. Wenn alle Spaltabschnitte betroffen sind, entstehen die sogenannten durchgehenden Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten (LKG-Spalten). Die Häufigkeit aller Spaltformen beträgt in Europa etwa 1 : 500 lebend geborene Babys.

Bei der genauen Beschreibung des Ausprägungsgrades der jeweiligen Spaltform werden im Gegensatz zum allgemeinen Sprachgebrauch (LKGSpalten) vier Spaltabschnitte unterschieden:
Spaltbildungen können ein- oder beidseitig auftreten. Die einzelnen Spaltabschnitte können vollständig, unvollständig oder als Mikroform betroffen sein. Bei den verdeckten (submukösen) Spalten ist das Ausmaß der Spaltbildung oft nicht sofort erkennbar. So kann der weiche Gaumen durchaus mit Schleimhaut geschlossen sein, aber dennoch besteht durch die Spaltung der für die Sprache und die Ohrbelüftung wichtigen Muskulatur unter der Schleimhaut eine Sprachentwicklungsstörung und/oder eine Belüftungsstörung des Mittelohres. Dann sind Operationen und Behandlungen (z.B. Sprachtherapie) erforderlich, wie bei offenen Spaltformen. Dies gilt in ähnlicher Form auch für die übrigen Spaltabschnitte.

Es ergibt sich also eine Vielzahl (>100) unterschiedlicher Formen oder Schweregrade der Spaltbildungen, so dass unterschiedliche Behandlungsabläufe notwendig sind, und auch die erreichbaren Ergebnisse vom jeweiligen Ausgangsbefund abhängen. Daher sollten Sie nicht das besonders schöne oder das zunächst auch einmal nicht so befriedigende Ergebnis eines anderen Kindes als Vergleich für die Möglichkeiten oder das Ergebnis bei Ihrem Kind heranziehen. Im individuellen Gespräch werden Ihnen an einem dem Befund Ihres Kindes vergleichbaren Behandlungsbeispiel die Probleme und die insgesamt günstigen Möglichkeiten der Behandlung erläutert.

Daher muss diese Information durch immer wiederkehrende Gespräche mit den verschiedenen Mitgliedern im Behandlungsteam ergänzt werden. Nur so können Ihre so wichtigen, für die Aufklärung notwendigen und erwünschten Fragen beantwortet werden.

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Funktionsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten

Durch die Spaltbildung fehlt je nach Grad der Fehlbildung die für Ernährung, Sprache und Atmung wichtige Trennung von Mund- und Nasenraum. Damit ist das Zusammenwirken der Muskulatur im Bereich der Lippe und des weichen Gaumens nicht möglich. In Kombination mit einer zusätzlichen Fehlposition der Zunge kann dies zu Schluck-, Atmungs- und Sprachfunktionsstörungen sowie zu Störungen der Mittelohrbelüftung führen. Daraus ergeben sich neben der bei Lippenspalten jedem erkennbaren Störung im Aussehen, das durch die Operation des Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen relativ früh korrigiert werden kann, immer auch funktionelle Störungen.

Mögliche Funktionsstörungen bei LKG-Spalten (je nach Schweregrad)
  • Aussehen (Ästhetik)
  • Gesichtsmimik (Lippen-, Wangen- und Nasenbewegung)
  • Atmung (Trennung Nasen-,Mund- und Rachenhöhlen)
  • Sprache (Zungenfunktion, weicher Gaumen)
  • Gehör (Mittelohrbelüftung)
  • Ernährung (Trennung Nase-Mund-Raum)
  • Wachstum (Gesichts- und Gebissentwicklung)

Daraus ergeben sich einerseits die Notwendigkeit der Behandlung durch mehrere im Zentrum zusammenarbeitende Fachleute und andererseits verschiedene Therapieschritte, die zur Normalisierung der gestörten Funktionen und damit zur ungestörten Persönlichkeitsentwicklung des Kindes führen können.

Bei einem geringen Teil der Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten werden leider nicht nur die Gesichtsfehlbildung, sondern auch zusätzliche Behinderungen oder Fehlbildungen (z. B. Nierenstörungen, Herzfehler) festgestellt. Daher ist eine gezielte kinderärztliche (pädiatrische) Untersuchung zum Ausschluss zusätzlicher Störungen unbedingte Voraussetzung, um gegebenenfalls notwendige Hilfen einzuleiten oder auch der Behandlung der Gesichtsspalte voranzustellen. Neben dieser Abklärung möglicher zusätzlicher Störungen ist ein intensiver Kontakt zum betreuenden Kinderarzt immer notwendig, um die begleitende Betreuung (Impftermine, Blutbildkontrollen, präoperative Untersuchungen) vor allem während der ersten Lebensjahre abzustimmen.

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