Viele Kinder, die mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte geboren werden, wachsen dank chirurgischer Fortschritte, verbesserter interdisziplinärer Zusammenarbeit und nicht zuletzt auf Grund einer guten eigenen Muskelfunktion sprachlich normal heran. Bei einigen Betroffenen kann die Sprachentwicklung jedoch deutlich von der Norm abweichen. Dabei kann es zu Abweichungen in der Lautbildung sowie auch zur Veränderung des Stimmklanges (Näseln) kommen; ebenso kann die gesamte Sprachentwicklung verzögert sein. Darüber hinaus leiden Kinder mit Gaumenspalte häufig unter Hörstörungen.

Hörstörungen

Beispielbild Lippenspalte

Schnitt durch das Mittelohr

Diejenigen Anteile der Schlundmuskulatur, die in das Gaumensegel hineinreichen, können möglicherweise auch nach dem Gaumensegelverschluss in ihrer Funktionstüchtigkeit eingeschränkt bleiben. Da sie für die Öffnung der “Eustachischen Röhre” (Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr) und damit für die Belüftung des Mittelohres von Bedeutung sind, kann es in Einzelfällen durch ihre Funktionseinbuße zunächst zu einem Unterdruck hinter dem Trommelfell, später dann zu Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr (Paukenerguss) oder auch zu Entzündungen kommen. Folge ist in derartigen Fällen eine, häufig von den Eltern zunächst nicht bemerkte Schwerhörigkeit. Diese kann - sofern sie nicht behandelt wird - zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung führen. Erkrankungen des Mittelohres werden durch die Kombination von Ohrmikroskopie und Hörprüfung sicher erkannt. Das Hörvermögen kann bei den meisten Kindern bereits durch das Legen kleiner Belüftungsröhrchen wiederhergestellt werden. Zumindest in den ersten Lebensjahren sollten daher regelmäßige, ca. 1/2 jährliche Kontrollen des Gehörs durch einen Phoniater und Pädaudiologen oder entsprechend ausgebildeten Hals-, Nasen-, Ohrenarzt stattfinden.

Eine lang anhaltende oder in Abständen immer wieder auftretende Hörminderung hat grundsätzlich Folgen für die Sprachentwicklung. Kleinkindhafte Satzmuster bleiben lange bestehen, der Wortschatz erweitert sich nur wenig, typische Lautfehler treten auf, da das Kind wichtige Klangunterschiede in der Lautbildung nicht erkennen kann. Darüber hinaus können bei ausbleibender fachgerechter Behandlung der Mittelohrergüsse Spätkomplikationen wie chronische Schleimhauteiterung oder Knocheneiterung auftreten, die wiederum eine dauerhafte Hörminderung nach sich ziehen würden.

LKG