Allgemeine Vorbemerkungen

Durch verbesserte Narkosen (Anästhesie) und begleitende Diagnostik konnte das Operationsrisiko für die betroffenen Kinder so erheblich gesenkt werden, dass heute bereits wenige Wochen nach der Geburt längere Narkosen ohne Gefährdung für die Kinder möglich sind. Daher können durch verfeinerte, oft aufwendigere Operationstechniken deutlich bessere Ergebnisse bereits nach den ersten Operationen erzielt werden. Leider ist bei den meisten Spaltformen nicht der gleichzeitige Verschluss aller Spaltabschnitte in einer Operation möglich und sinnvoll, so dass abhängig vom Schweregrad der Erkrankung oft mehrere Operationen erforderlich sind.

Reihenfolge und Zeitpunkte dieser Einzeloperationen sind je nach Gewichtung des Therapiezieles an den verschiedenen Behandlungszentren durchaus unterschiedlich, ohne dass bisher ein entscheidender Vorteil des einen oder ein wesentlicher Nachteil des anderen Therapiekonzeptes belegt wurden. Mit nahezu allen gebräuchlichen Konzepten sind bei sorgfältiger Ausführung gute Ergebnisse zu erzielen, die durch ein weitgehend normales Aussehen (Narben, Wachstum) und ungestörte Funktion (Sprache, Gehör) günstige Voraussetzungen für die allgemeine, chancengleiche Entwicklung des Kindes schaffen.

Lippenspaltplastik:

Die chirurgische Therapie beginnt bei Spaltformen mit Lippenbeteiligung in der Regel mit dem Lippenspaltverschluss mit 3 - 6 Monaten, abhängig von der allgemeinen Entwicklung des Säuglings. Dabei sollte als Faustregel ein Gewicht von 5 - 6 kg (Verdoppelung des Geburtsgewichtes) erreicht sein. Gelegentlich vorkommende zusätzliche Behinderungen (z. B. Herzfehler, Stoffwechselstörungen, chronische Bronchitis o. ä.) können eine Verschiebung des Termins im Interesse des Kindes erfordern.

Bei der Operation werden die Lippen- und Nasenfehlbildung verschlossen und bei kompletten Formen der Naseneingang gebildet. Wesentlich ist die Wiederherstellung der normalen Funktion der Lippe durch exakte Vereinigung der entsprechenden Lippen- und Gesichtsmuskulatur.

In derselben Narkose kann vom HNO-Arzt eine mikroskopische Mittelohr- Untersuchung durchgeführt und, bei bestehendem Mittelohrerguss, dieser abgesaugt und ein Röhrchen ins Trommelfell eingelegt werden. Dies wird nachfolgend noch ausführlicher beschrieben.

Die Korrektur der spaltbedingten Nasenabweichungen wird meist in einer späteren Phase der Gesichtsentwicklung durchgeführt, da die Erfahrungen aus ungünstigen Spätergebnissen gegen einen ausgedehnten frühen Eingriff im Nasenknorpelbereich sprechen.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Elterninformation (PDF, ca. 120 KB)

Gaumenspaltplastik:

Unterschiede in der operativen Behandlung der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten bestehen vor allem bei der Methodik und Zeitwahl des Gaumenspaltverschlusses.
Man unterscheidet dabei :

  • einphasigen/einzeitigen Verschluss
    gleichzeitiger Verschluss des harten und weichen Gaumens (mit ca. 12 Monaten)
  • zweiphasigen/zweizeitigen Verschluss
    zunächst Verschluss des weichen/harten Gaumens (mit der Lippe oder mit 12-
    24 Monaten) und später (3-4 Jahren) die restlichen Anteile des harten/weichen
    Gaumens.

Diese Unterschiede entstehen aus dem Widerspruch:
frühzeitige Operation => ungehinderte Sprachentwicklung
späte Operation => ungehinderte Kieferentwicklung.

Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen können mit vielen Methoden etwa gleichwertige Behandlungsergebnisse erzielt werden. Die Gründe für die Wahl der Methode bei Ihrem Kind sollten Sie sich vom beratenden Arzt individuell erklären lassen.

Wesentliches Ziel dieser Operation ist die Herstellung der Muskelfunktion in einem ausreichend langen, weichen Gaumen zu einem Ringmuskelsystem, das den Abschluss zwischen Nase und Rachenraum zur Normalisierung von Sprache und Ernährung ermöglicht und gleichzeitig die Belüftung des Mittelohres verbessern kann.

Knochenverpflanzung (Osteoplastik):

Bei bestimmten, jedoch keineswegs bei allen Spaltformen sind Knochentransplantationen in den Kieferbereich erforderlich. Vor allem bei kompletten Spaltformen sind sie bei den meisten Kindern sinnvoll, da sie dem Kieferorthopäden die Einordnung der durchbrechenden bleibenden Zähne erleichtern. Dabei kann diese Knochenverpflanzung gleichzeitig mit dem Verschluss des Kieferspaltes sehr früh im Vorschulalter oder später im Wechselgebiss mit 8 - 11 Jahren durchgeführt werden.

Korrekturoperationen bzw. Ergänzungen:

Allgemeines:

Ziel aller Behandlungen ist es, bis zur Einschulung ein normales Aussehen zu erreichen sowie eine normale Sprach- und Sprechfunktion herzustellen und eine normale schulische Entwicklung zu ermöglichen. Daher sollen bei nicht befriedigender Sprechentwicklung sprechverbessernde Operationen oder bei nicht zufriedenstellendem Aussehen Korrekturen rechtzeitig vor der Einschulung, d. h. bis zum 5./6. Lebensjahr, durchgeführt werden. Die Korrektur geringgradiger Abweichungen sollte möglichst lange hinaus gezögert werden, da die Ergebnisse aller Korrekturen durch das weitere Wachstum auch wieder ungünstig verändert werden können.

Sprechverbessernde Operationen (Velopharyngoplastik):

Nur bei einem geringen Anteil der Kinder gelingt es nicht, durch eine primäre Muskelringrekonstruktion beim Verschluss des weichen Gaumens und nachfolgende sprachtherapeutische Förderung eine Normalisierung der Sprache zu erzielen. Gelegentlich kann infolge einer Störung der Abschlussfunktion des weichen Gaumens zwischen Nasen- und Rachenraum ein offenes Näseln (Rhinophonia aperta) verbleiben. Hier kann dann eine sprechverbessernde Operation (Velopharyngoplastik) angebracht sein. Dieser operative Eingriff sollte möglichst im Vorschulalter erfolgen.

Nasenstegplastik (Columellaplastik):

Bei den doppelseitigen Spaltformen gelingen heute wesentlich günstigere Ergebnisse bei den ersten Operationen als noch vor einigen Jahren. Häufig verbleibt jedoch bei den vollständigen Spaltformen ein zu kurzer Nasensteg, der in Kombination mit einer dann abgeflacht wirkenden Nasenspitze ästhetisch erheblich stören kann. Vor der Einschulung ist bei Bedarf eine Nasenstegverlängerung (Columellaplastik) möglich. Die Fehlbildung der knorpeligen Nase wird meist auf Wunsch der Patienten selbst im Jugendalter korrigiert.

Nasenkorrektur (Septorhinoplastik):

Trotz optimal verlaufener Erstoperation können insbesondere bei einseitigen LKG-Spalten Fehlbildungen der äußeren und inneren Nase verbleiben, die sich mit zunehmendem Wachstum stärker ausprägen. Meist resultieren ein Schiefstand des knöchernen Nasengerüstes und eine unsymmetrische Nasenspitze durch Abflachung des spaltseitigen Nasenflügels. Die Nasenscheidewand weist einen Schrägstand auf. Da der Luftstrom nicht ungehindert fließen kann, kommt es zu einer Schleimhautschwellung vor allem der Nasenmuscheln, die die Nasenatmung zusätzlich beeinträchtigt. Je nach Ausprägung der funktionellen und ästhetischen Störung wird man sich zu einer Korrektur entschließen.

Narbenkorrektur:

Auch nach guten Ergebnissen der Erstbehandlung bleiben mitunter Abweichungen und Narben, die im Laufe des Wachstums das Aussehen stören. Diese Störungen können durch einen Korrektureingriff verbessert werden. Dabei sind die Ergebnisse um so günstiger, je später (weitgehend abgeschlossenes Wachstum) diese Eingriffe erfolgen, obwohl bei - vor allem funktionell - auffälligen Narben diese auch früher - entsprechend dem Leidensdruck des Kindes bzw. des Korrekturwunsches der Eltern - durchgeführt werden sollen oder müssen.

Kieferorthopädische Operationen:

Nur bei wenigen Patienten ist mit den heutigen Methoden die Wachstumshemmung so ausgeprägt, dass es nach einer Behandlung mit kieferorthopädischen Mitteln nicht möglich ist, eine normale Gesichtsentwicklung und Verzahnung zu erreichen, so dass nach Abschluss des Wachstums eine operative Verlagerung der Kiefer oder einzelner Kieferteile notwendig wird. Nur in diesen seltenen Fällen mit unzureichender Mittelgesichtsentwicklung kann am Ende des Wachstums in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Kieferorthopäden eine kombiniert kieferorthopädische und kieferchirurgische Therapie erforderlich sein. Dabei werden nach einer kieferorthopädischen Vorbehandlung zur Ausformung der Zahnbögen die Kiefer durch eine operative Vorverlagerung des Oberkiefers und evtl. zusätzliche Rückverlagerung des Unterkiefers in eine bessere Beziehung zueinander gebracht.

LKG